Stoffwechsel

Warum gesunde Gewohnheiten so schwerfallen, wenn alle anderen anders leben

By Beatrix 16. Oktober 2026 12 min

Du möchtest dich gesünder ernähren, regelmäßig bewegen und dich endlich wieder richtig wohl in deinem Körper fühlen? Klingt eigentlich ganz einfach. Wäre da nicht manchmal das liebe Umfeld …

„Na, du bist aber streng mit dir!“

„Also so wie du, das könnte ich nicht!“

„Das wäre mir viel zu anstrengend!“

Oder mein persönlicher Klassiker: „Ah, man gönnt sich ja sonst nichts!“

Kennst du solche Kommentare?

Manchmal braucht es nicht einmal einen Satz. Ein Augenverdrehen reicht völlig aus.

Und schon sitzt man da und fragt sich, warum es eigentlich so ungewöhnlich ist, wenn man bewusst auf seine Ernährung achtet, regelmäßig trainiert oder beim gemeinsamen Essen einfach einmal etwas anderes möchte.

Heute Früh ist mir während meiner Morgenmeditation etwas bewusst geworden, das mich seitdem beschäftigt.

Wie viel Energie es eigentlich kosten kann, gesunde Gewohnheiten in einen Alltag einzubauen, in dem die Menschen um dich herum ganz anders leben.

Und damit meine ich nicht die Energie, die ich beim Krafttraining verbrauche.

Sondern die Energie, die es manchmal braucht, um seinen eigenen Weg zu gehen.

Wenn du plötzlich diejenige bist, die alles anders macht

Ich beschäftige mich schon lange mit Ernährung, meinem Körper und meinem Gewicht. Durch meine Schilddrüsenunterfunktion war das für mich immer wieder ein Thema.

In den letzten Jahren ist noch etwas dazugekommen: die Perimenopause.

Plötzlich wollte ich viel genauer verstehen, was sich in meinem Körper verändert. Warum mein Stoffwechsel anders reagiert, welche Rolle meine Hormone spielen und was ich selbst tun kann, um möglichst gesund, fit und voller Energie älter zu werden.

Dabei habe ich unglaublich viel gelernt.

Vor allem, wie maßlos ich die Bedeutung unserer Muskulatur bisher unterschätzt hatte!

Mittlerweile mache ich dreimal pro Woche Krafttraining, beschäftige mich bewusst mit meiner Ernährung und versuche, mich im Alltag viel zu bewegen. Ich gehe gerne spazieren und peile oft meine 10.000 Schritte an.

Nicht, weil ich glaube, dass unter 10.000 Schritten plötzlich alles umsonst war. Sondern weil mir Bewegung guttut und ich sonst durch meine Arbeit ziemlich viel sitze.

Auch Fasten gehört zu meinen persönlichen Gewohnheiten. Ich faste derzeit einmal pro Woche und achte darauf, wie es mir damit geht.

Fasten passt allerdings nicht für jede. Wenn du eine Erkrankung hast oder Medikamente nimmst, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Das alles ist nicht von heute auf morgen entstanden.

Ich habe ausprobiert, dazugelernt, Gewohnheiten verändert und manches auch wieder verworfen.

Und ich bin sicher noch lange nicht fertig damit.

Aber eines weiß ich inzwischen: Ich möchte mit meinem Körper arbeiten und nicht ständig gegen ihn.

Was ich dabei allerdings unterschätzt habe, ist, wie sehr unser Umfeld unsere Gewohnheiten beeinflusst.

Im Büro wird gegessen. Und gegessen. Und noch ein bisschen gegessen.

Vielleicht kennst du das aus deinem Arbeitsalltag.

Es gibt eine Besprechung, ein Teammeeting oder irgendeinen Anlass. Und natürlich wird etwas zum Essen mitgebracht.

Da stehen Weckerl, Kuchen, Kekse und andere Kleinigkeiten auf dem Tisch. Man greift zu, unterhält sich, arbeitet weiter und greift irgendwann wieder zu.

Und ehe man sich versieht, hat man eigentlich den ganzen Vormittag über gegessen.

Ich kenne das aus meinem eigenen Berufsalltag nur zu gut.

Und versteh mich bitte nicht falsch: Ich finde gemeinsames Essen schön! Essen verbindet Menschen. Es gehört zu Geburtstagen, Feiern, Familienfesten und gemütlichen Stunden einfach dazu.

Ich esse auch gerne und genieße gutes Essen.

Nur habe ich für mich festgestellt, dass ich mich wohler fühle, wenn ich meine Mahlzeiten bewusster gestalte, auf Hunger und Sättigung achte und nicht ständig nebenbei etwas esse, nur weil gerade etwas herumsteht.

Manchmal möchte ich einfach mein Frühstück essen und erst ein paar Stunden später wieder eine Mahlzeit.

Und manchmal möchte ich natürlich auch ein Stück Kuchen.

Beides darf sein.

Was mich aber fasziniert: Wie selbstverständlich wir uns beim Essen oft an den Menschen um uns herum orientieren.

Und das ist tatsächlich wissenschaftlich untersucht worden.

Warum wir oft so essen wie die Menschen um uns herum

Vielleicht denkst du jetzt: Na gut, aber ich entscheide doch selbst, was ich esse!

Natürlich tust du das.

Nur treffen wir diese Entscheidungen offenbar nicht ganz so unabhängig, wie wir glauben.

Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2015 untersuchte 69 Experimente mit insgesamt mehr als 5.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Das Ergebnis: In 64 dieser Studien zeigte sich ein statistisch bedeutsamer Einfluss des Essverhaltens anderer Menschen auf das eigene Essen.

Vereinfacht gesagt: Wir orientieren uns häufig daran, was und wie viel andere essen.

Besonders interessant finde ich, dass dieser Einfluss stärker sein kann, wenn wir uns mit den anderen Menschen verbunden fühlen oder ihnen ähnlich sein möchten.

Und das passiert teilweise ganz unbewusst.

Hier kannst du die wissenschaftliche Übersichtsarbeit nachlesen.

Ist das nicht spannend?

Da sitzen wir also gemeinsam beim Teammeeting, unterhalten uns, greifen nebenbei zum Essen und merken vielleicht gar nicht, wie sehr die Situation unser Verhalten beeinflusst.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jedes gemeinsame Frühstück automatisch zu viel Essen führt.

Aber es zeigt, dass unsere Ernährungsgewohnheiten eben nicht nur eine Frage von Wissen oder Disziplin sind.

Unser soziales Umfeld isst gewissermaßen mit.

Warum sich neue Gewohnheiten anfangs so anstrengend anfühlen

Ich glaube, wir unterschätzen oft, wie viele Entscheidungen wir treffen müssen, wenn wir unseren Alltag verändern möchten.

Was frühstücke ich?

Wann gehe ich trainieren?

Wie bekomme ich meine Bewegung zwischen Arbeit, Familie und Haushalt unter?

Was mache ich, wenn ich abends müde bin und eigentlich nur noch auf die Couch möchte?

Und wie gehe ich damit um, wenn alle anderen gerade etwas ganz anderes machen?

Gerade am Anfang ist vieles noch ungewohnt.

Du musst überlegen, planen, organisieren und dich manchmal bewusst für etwas entscheiden, das früher gar nicht Teil deines Alltags war.

Das kostet Energie.

Aber auch dazu gibt es interessante Forschung.

In einer Studie zur Gewohnheitsbildung begleiteten Forschende Menschen über zwölf Wochen dabei, eine neue Ernährungs-, Trink- oder Bewegungsgewohnheit aufzubauen.

Dabei zeigte sich, dass neue Verhaltensweisen durch regelmäßige Wiederholung im gleichen Zusammenhang zunehmend automatisch werden können.

Wie lange das dauert, war allerdings sehr unterschiedlich. In der Studie reichte die geschätzte Zeit bis zu einem hohen Grad an Automatisierung von 18 bis 254 Tagen.

Es gibt also keine magische Grenze, ab der nach exakt 21 oder 66 Tagen plötzlich alles mühelos funktioniert.

Hier findest du die Studie zur Gewohnheitsbildung.

Das finde ich unglaublich beruhigend.

Denn es bedeutet für mich: Wenn sich eine neue Gewohnheit anfangs noch mühsam anfühlt, heißt das nicht automatisch, dass sie nicht zu mir passt.

Vielleicht braucht sie einfach noch etwas Zeit, bis sie ein selbstverständlicher Teil meines Alltags geworden ist.

Und genau dabei kann das richtige Umfeld eine große Unterstützung sein.

Wie viel leichter es ist, wenn jemand deine Begeisterung versteht

Ich habe in dieser Hinsicht einen großen Vorteil.

Mein Mann macht schon seit vielen Jahren regelmäßig Krafttraining.

Als ich begonnen habe, mich intensiver mit Stoffwechsel, Muskulatur und Perimenopause zu beschäftigen, wurde mir klar, wie wichtig Krafttraining auch für mich ist.

Und weil mein Mann selbst trainiert, versteht er natürlich, warum ich mir dafür Zeit nehme.

Dreimal pro Woche ungefähr eine Stunde Training muss schließlich auch erst einmal im Familienalltag Platz finden.

Dazu kommen meine Spaziergänge und die Zeit, die ich mit Einkaufen, Kochen und meiner Ernährung verbringe.

Ich muss ihm nicht erklären, warum mir das wichtig ist.

Er kennt das selbst.

Und je mehr ich darüber nachdenke, desto bewusster wird mir, wie wertvoll das eigentlich ist.

Denn nicht jede Frau hat jemanden zu Hause, der ihre Interessen in diesem Bereich teilt.

Vielleicht interessiert sich dein Partner überhaupt nicht für Sport.

Vielleicht kochst du für eine Familie, in der alle etwas anderes essen möchten.

Vielleicht hast du Freundinnen, mit denen du über alles reden kannst – nur nicht über Krafttraining, Blutzucker oder Perimenopause.

Und das ist doch völlig okay!

Wir müssen schließlich nicht alle dieselben Interessen haben.

Aber manchmal wäre es einfach schön, jemanden zu haben, der versteht, warum dich ein bestimmtes Thema gerade so begeistert.

Warum Unterstützung mehr bewirken kann als der nächste Motivationsspruch

Dass soziale Unterstützung beim Aufbau gesunder Gewohnheiten hilfreich sein kann, ist nicht nur mein persönlicher Eindruck.

Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 beschäftigte sich mit sozialer Unterstützung in Bewegungsprogrammen für Erwachsene.

Die Forschenden beschreiben, dass Unterstützung durch andere Menschen helfen kann, mit Bewegung zu beginnen und langfristig dabei zu bleiben. Auch das Gefühl von Verbundenheit und weniger sozialer Isolation spielt dabei eine Rolle.

Hier geht es zur wissenschaftlichen Arbeit.

Ich finde, das ist ein wichtiger Punkt.

Denn wir sprechen so oft über Motivation, Disziplin und Durchhaltevermögen.

Dabei vergessen wir manchmal, wie angenehm es ist, wenn man seine Begeisterung einfach mit jemandem teilen kann.

Wenn jemand versteht, warum du dich über eine neue persönliche Bestleistung beim Krafttraining freust.

Oder warum du plötzlich wissen möchtest, wie Insulin eigentlich funktioniert.

Oder warum du dich gerade so intensiv mit den Veränderungen deines Körpers ab 40 beschäftigst.

Nicht, weil dieser Mensch alles genauso machen muss.

Sondern weil ihr euch darüber austauschen könnt.

Und vielleicht ist genau das manchmal viel hilfreicher als der hundertste Tipp, wie man endlich konsequenter wird.

Gesunde Gewohnheiten dürfen sich auch gut anfühlen

Was mir bei diesem ganzen Thema besonders wichtig ist: Ich möchte nicht mein Leben lang das Gefühl haben, gegen mich selbst kämpfen zu müssen.

Ich möchte nicht ständig Kalorien zählen, Lebensmittel in gut und böse einteilen oder ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn ich einmal nicht trainiere.

Ich möchte aber auch nicht jedes Mal erklären müssen, warum ich heute keinen Kuchen möchte.

Manchmal habe ich einfach keine Lust darauf.

Und manchmal schon.

Ich möchte einen Alltag gestalten, in dem ich mich wohlfühle. In dem ich Energie habe, mich gerne bewege, gut esse und möglichst lange gesund bleibe.

Dazu gehört für mich auch, dass ich meine Ernährung und mein Training an meinen Körper und meine jeweilige Lebensphase anpasse.

Denn gerade in der Perimenopause verändert sich einiges.

Und je mehr ich darüber lerne, desto mehr merke ich, dass ich meinen Körper nicht länger nur über die Zahl auf der Waage betrachten möchte.

Meine Muskeln, meine Kraft, mein Schlaf, meine Energie und mein Wohlbefinden sind mir mindestens genauso wichtig geworden.

Falls du dich fragst, warum ich heute so viel Wert auf Krafttraining lege, lies gerne auch meinen Artikel „Du willst ab 40 abnehmen? Dann vergiss deine Muskeln nicht!“

Darin erzähle ich, warum ich die Bedeutung unserer Muskulatur so lange unterschätzt habe.

Vielleicht brauchen wir einfach Menschen, die ähnlich ticken

Je mehr ich mich mit meinem Stoffwechsel, meiner Ernährung und meiner Gesundheit beschäftige, desto mehr merke ich, wie sehr mich diese Themen mittlerweile begeistern.

Und gleichzeitig merke ich, dass ich damit in meinem gewohnten Umfeld nicht immer jemanden habe, der diese Begeisterung teilt.

Das ist auch völlig okay.

Jeder darf sein Leben so gestalten, wie er möchte.

Ich mag die Menschen in meinem Umfeld schließlich nicht weniger, nur weil sie andere Interessen oder Gewohnheiten haben.

Aber ich wünsche mir zusätzlich Menschen, mit denen ich mich über genau diese Dinge austauschen kann.

Frauen, die sich ebenfalls damit beschäftigen, wie sie gesund, fit und voller Energie bleiben können.

Bei denen ich mich nicht wie ein Alien fühle, nur weil ich mich für meinen Blutzucker interessiere, dreimal die Woche Krafttraining mache oder mich mit der Perimenopause beschäftige.

Und vielleicht geht es dir ja ähnlich?

Vielleicht hast du auch Menschen um dich, die du unglaublich gern hast, die aber mit deiner Begeisterung für Ernährung, Bewegung und Gesundheit nicht besonders viel anfangen können.

Dann müssen wir diese Menschen doch nicht verändern.

Vielleicht dürfen wir uns einfach zusätzlich einen Kreis suchen, in dem wir uns mit genau diesen Interessen wohlfühlen.

Einen Kreis, in dem wir uns gegenseitig inspirieren, Erfahrungen austauschen, Fragen stellen und auch einmal über Dinge lachen können, die andere wahrscheinlich ziemlich eigenartig finden würden.

Und weißt du was?

Genau so einen Kreis wünsche ich mir auch für StoffwechselLiebe.

Nicht, weil wir alle gleich essen, gleich trainieren oder dieselben Ziele haben müssen.

Sondern weil es schön ist, Menschen zu finden, die ähnliche Interessen teilen.

Und vielleicht entsteht hier ja nach und nach genau so eine Gemeinschaft.

Ich würde mich jedenfalls riesig darüber freuen!

Jetzt bin ich neugierig: Kennst du dieses Gefühl auch?

Dass du dich für deine Ernährung, deine Bewegung oder deine Gesundheit begeisterst, aber manchmal niemanden hast, mit dem du dich darüber austauschen kannst?

Dann schreib mir gerne an beatrix@stoffwechselliebe.com. Ich würde mich freuen, von dir zu lesen.


Noch ein kleiner Tipp für dich

Wenn du gerade erst beginnst, dich mit deinem Stoffwechsel auseinanderzusetzen und herausfinden möchtest, welche Alltagsgewohnheiten bei dir eine Rolle spielen könnten, habe ich etwas für dich:

Mein kostenloser 5-Punkte-Stoffwechsel-Check für Frauen ab 38.

Darin schauen wir gemeinsam auf fünf Bereiche, die deinen Alltag beeinflussen können – von deiner Energie nach dem Essen über Schlaf und Stress bis hin zu deinem Zyklus.

Ganz ohne komplizierte Fachbegriffe und mit kleinen ersten Schritten, die du ausprobieren kannst.

Nach oben scrollen